Detachment im Führungsalltag: Abschalten als organisationaler Erfolgsfaktor

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Jürgen Stolze

Online publiziert: 26.08.2026

© Jürgen Stolze – Coaching, Consulting & Trainings GmbH 2026

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Detachment im Führungsalltag bezeichnet die mentale Distanz zur Arbeit in der Ruhezeit (Hu et al., 2026; Sonnentag et al., 2010). Für Führungskräfte ist dieses Abschaltverhalten ein zentraler Indikator dafür, ob Teams nachhaltig arbeiten oder sich schleichend erschöpfen (Sonnentag & Schiffner, 2019; Wendsche & Lohmann-Haislah, 2017). Erholung ist somit kein individuelles Privatproblem (Bennett et al., 2018), sondern ein organisatorischer Gesundheitsfaktor (Pütz, 2025).

Gemäß dem Stressor-Detachment-Modell wird dieser Zusammenhang durch wissenschaftliche Erkenntnisse verdeutlicht. Erhöhte Arbeitsbelastungen können dazu führen, dass Mitarbeitende Schwierigkeiten haben, gedanklich abzuschalten (Sonnentag & Fritz, 2015; Wendsche & Lohmann-Haislah, 2017). Fehlt diese Erholungskompetenz, führt dies zu spürbaren Effekten in Form von Ermüdung und emotionaler Erschöpfung (Wendsche & Lohmann-Haislah, 2017). Hohe Anforderungen wirken sich somit nicht nur auf die Leistung, sondern auch auf die Erholungskompetenz aus (Sonnentag & Fritz, 2015).

Eine besondere Herausforderung stellt sich, wenn ständige Erreichbarkeit und die Ausübung der Tätigkeit in der Ruhezeit zusammentreffen. Das Beantworten von E-Mails, die Erledigung von Aufgaben oder das ständige gedankliche Durchkauen von Problemen in der Freizeit können die Erholung weiter reduzieren (Vieten et al., 2022). Negative Stimmung, Grübeln oder starkes Überengagement können diese Dynamik verstärken. Das Phänomen der ständigen Erreichbarkeit ist kein Zeichen von Engagement, sondern ein systemischer Risikotreiber (Sousa & Pires, 2026).

Führungskräfte können Belastungsfolgen frühzeitig erkennen, indem sie auf das Abschaltverhalten achten. Detachment ist ein Frühwarnsystem für Überlastung und ein entscheidender Faktor für nachhaltige Leistungsfähigkeit (Wendsche & Lohmann-Haislah, 2017).

Um die Erholungsphasen der Mitarbeitenden wirksam zu schützen, können Führungskräfte direkt auf die Arbeitsgestaltung einwirken (Zhang et al., 2022). Dies gelingt durch das klare Setzen von Prioritäten, das Vereinbaren realistischer Arbeitsmengen sowie das Einplanen von Pufferzeiten (Wendsche & Lohmann-Haislah, 2017). Ebenso sind Erholungsphasen durch klare Regeln zur Erreichbarkeit sowie aktive Unterstützung von Pausen und Feierabend zu schützen. Das Vorbildverhalten der Führungskraft ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung (Zhu et al., 2026).

Schließlich ist die Etablierung einer Kultur des Abschaltens im Alltag von hoher Wichtigkeit. Das bewusste Abschalten sollte im Team als bedeutsame Kompetenz wertgeschätzt werden. Um den Übergang von der Arbeit in den Feierabend zu gestalten, bedarf es gezielter Teamrituale (Sonnentag et al., 2010). Zudem ist es empfehlenswert, regelmäßig Reflexion über Belastungen in den Arbeitsalltag zu integrieren (Pütz, 2025). Führungskräfte nehmen direkten Einfluss auf diesen Prozess durch die Gestaltung der Arbeitsbedingungen, die Kommunikation und das Vorbildverhalten.

Literaturverzeichnis

Bennett, A. A., Bakker, A. B., & Field, J. G. (2018). Recovery from workrelated effort: A metaanalysis. Journal of Organizational Behavior, 39(3), 262–275. https://doi.org/10.1002/job.2217

Hu, Y., Yan, D., Xu, J., Chen, J., & Li, H. (2026). The mediating role of psychological detachment between transformational leadership and work thriving among nurses in Chinese tertiary hospitals: A cross-sectional study. Frontiers in Psychology, 17, 1847889. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2026.1847889

Pütz, L. (2025). Job-related antecedents of psychological detachment from work. The International Journal of Human Resource Management, 36(9), 1493–1528. https://doi.org/10.1080/09585192.2025.2516791

Sonnentag, S., Binnewies, C., & Mojza, E. J. (2010). Staying well and engaged when demands are high: The role of psychological detachment. Journal of Applied Psychology, 95(5), 965–976. https://doi.org/10.1037/a0020032

Sonnentag, S., & Fritz, C. (2015). Recovery from job stress: The stressor-detachment model as an integrative framework: THE STRESSOR-DETACHMENT MODEL. Journal of Organizational Behavior, 36(S1), S72–S103. https://doi.org/10.1002/job.1924

Sonnentag, S., & Schiffner, C. (2019). Psychological Detachment from Work during Nonwork Time and Employee Well-Being: The Role of Leader’s Detachment. The Spanish Journal of Psychology, 22, E3. https://doi.org/10.1017/sjp.2019.2

Sousa, C., & Pires, B. (2026). Unable to Switch Off: Fear of Missing Out, Affective Rumination, and Psychological Detachment from Work. International Journal of Environmental Research and Public Health, 23(4), 463.

Vieten, L., Wöhrmann, A. M., & Michel, A. (2022). Boundaryless working hours and recovery in Germany. International Archives of Occupational and Environmental Health, 95(1), 275–292. https://doi.org/10.1007/s00420-021-01748-1

Wendsche, J., & Lohmann-Haislah, A. (2017). Detachment als Bindeglied zwischen psychischen Arbeitsanforderungen und ermüdungsrelevanten psychischen Beanspruchungsfolgen: Eine Metaanalyse. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 71(1), 52–70. https://doi.org/10.1007/s41449-017-0044-0

Zhang, J., Zhang, S., Liu, F., & Chen, W. (2022). Make Time for Employees to Be Sustainable: The Roles of Temporal Leadership, Employee Procrastination, and Organizational Time Norms. Sustainability, 14(14), 8778. https://doi.org/10.3390/su14148778

Zhu, Z., Kuykendall, L., Baines, J. I., & Zhang, B. (2026). Clarifying the Construct of Supervisor Support for Recovery and Its Impact on Employee Recovery Experiences. Journal of Management, 52(3), 1173–1216. https://doi.org/10.1177/01492063241311228

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